Wenig erfreulich…

9. Juli 2018

An allen 12 Zählstellen des Radverkehrs in Wien muss man Abnahmen feststellen, im Schnitt um 15%…

Betrifft: Werktags-Zahlen (Mo bis Fr), Vergleich Juni 2018 mit Juni 2017.
War das Wetter schuld?

Bildschirmfoto 2018-07-09 um 14.45.30.png
Mehr:
www.nast.at

Natürlich kann man jetzt wieder einmal darauf hinweisen, wie “Wetter-empfindlich” Wienerinnen und Wiener beim Radfahren sind – auch mit dem Hintergrund eines doch dichten ÖV-Netzes…“Wenn’s regnet, flüchte ich mich halt in die U-Bahn…“
Wenn man sich die abgestellten Fahrräder ansieht: Da findet man viel “Schönwetter-Radln” – ohne Kotflügel, diese Räder signalisieren: “Ich werde nur bewegt, wenn es nicht regnet…”

Hier eine “Reihung” der Abnahmen:
Operngasse: 25,2%
Liesingbach: 19,2%
Lasallestraße: 17,6%
Praterstern: 16,5%
Opernring Innen: 16,3%
Langobardenstraße: 15,5%
Wienzeile: 15,0%
Donaukanal: 14,4%
Opernring außen: 13,1%
Argentinierstraße: 8,9%
Neubaugürtel: 8,9%
Margaritensteg: 3,8%

RadlerImRegen.pngAbb.: Ho-Art

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Übergänge…

2. Juli 2018

 …von einem Straßen-Design in ein anderes.

Ein eigenes Video widmet der holländische „Rad-Advokat“ Mark Wagenbuur den Übergängen von einem „Straßen-Design“ (bei uns gibt es leider nur „Straßenplanungen“!) in ein anderes, also etwa, wo Radwege in eine Tempo 30 Zone übergehen…

PS:
Übergänge.png

Ein Wiener Märchen…

2. Juli 2018

Es war um 1990, als die ARGUS, Arbeitsgemeinschaft umweltfreundlicher Stadtverkehr, mit dem damaligen Wiener Bürgermeister Helmut Zilk im Gespräch war, an Sonntagen die Wiener „Prachtstraße“, den Ring, für den Autoverkehr zu sperren und den Menschen zur Verfügung zu stellen…

Was passieren würde, wenn an diesem Tag am Ring der 3spurigen Raserei von Ampel zu Ampel Einhalt geboten worden wäre, antwortete man vom renommierten Zivilingenieurbüro ROSINAK aus:
“Die automobile Welt würde nicht einstürzen…”

Bürgermeister Zilk’s Idee der sonntäglichen Sperre basierte auf dem Vorbild Bogotas, der Hauptstadt Kolumbiens, wo man bereits mehrere Jahre vorher solches umgesetzt hatte – zur Freude der Radler, Skater Fußgeher – und sich allerlei Gauklerei auf den Fahrbahnen breit machen konnte…

Bogota 2018

bogotakolumbienMadlenHaarbach.jpeg
Foto:
Madlen Haarbach

Allein den ARGUS-Aktivisten wurde es damals eher unheimlich, wären sie doch förmlich in die Pflicht genommen worden, für ein entsprechendes „Remasuri“ zu sorgen, um nicht durch eine „Horror-Vacui“-Veranstaltung den Gegnern Argumente zu liefern…
Kurz gesagt: Es verließ uns der Mut, und es wurde nichts aus dieser Idee!

In einem Artikel von Zeit Online wird der „Ciclovia“ gedacht, als in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts an Sonn- und Feiertagen bereits Hauptstraßen für den motorisierten Verkehr gesperrt waren…
Mehr:
https://www.zeit.de/mobilitaet/2018-03/bogota-kolumbien-radfahrer-ciclopaseo-strassenverkehr-luftqualitaet

37.000

27. Juni 2018

Viele Radlerinnen und Radler, Vredenburg, ein Straßenabschnitt in Utrecht, Holland.
Niemand hat einen Helm auf…

Manche werden sagen: „Wollen wir so ein Gewurrl überhaupt haben?“

Begegnungszone als Einbahn?

23. Juni 2018

In Wien „droht“ schon wieder eine „Begegnungszone“, diesmal in 19., Probusgasse.

Nur, diese idyllische Gasse ist so schmal, dass die Planenden gar keine Trennung von Gehbereich und Fahrbereich vornehmen können, wie in Wien sonst leider üblich.

VomPfarrplatz.jpg19., Probusgasse vom Pfarrplatz aus in Richtung Armbrustergasse

Dem Projekt wird die Erneuerung der Wasserrohre vorausgehen – es muss also wieder einmal alles „aufgerissen“ werden. Unter Erhalt der „Mini-Gehsteige“ wird dann auf Null-Niveau asphaltiert, die Mehrzahl der Stellplätze fällt weg!
Vor dem „Beethoven-Haus“, etwa in der Mitte der Gasse, wird gepflastert, um so eine Art Aufenthaltsbereich zu suggerieren…

Beethovenhaus.jpg19., Probusgasse, Beethovenhaus

Ärgerlich ist, dass man nicht von vornherein „Radfahren gegen die Einbahn“ vorgesehen hat, wodurch nun ein „Antichambrieren“ bei Bezirksvorsteher Tiller notwendig sein wird, um das amtliche NEIN auszuhebeln, da man sich auf Grund einer Engstelle – Fahrbahn mit 2,85m – kein „Radfahren gegen die Einbahn“ vorstellen kann (und das alles im Tempo 20km/h Bereich)!

Besonders absurd ist der Umstand, dass, obwohl Fußgeher (auch Behinderte) auf der Fahrbahn gehen müssen, weil sie ja kaum Gehsteige vorfinden, sich also mit entgegenkommenden Autos arrangieren müssen, der Radverkehr vom Pfarrplatz kommend, aber nicht erlaubt werden soll…

Und der idyllische Pfarrplatz selbst?
Verstellt durch Autos:

Pfarrplatz.jpg19., Pfarrplatz
(Alle Fotos H. D.)

Radweg über den Acker…

8. Juni 2018

Wenn ich mir so einiges ansehe, was der holländische Rad-Advokat Mark Wagenbuur auf seinen Blog stellt, habe ich manchmal den Eindruck, dass sich der Abstand Holland – Österreich, bezogen  auf die Planungsqualität von Radverkehrsanlagen, vergrößert, anstatt dass er kleiner wird!

Ob daran die Ankündigung der neuen Regierung was ändern wird?
Man will den Radverkehrs bis 2025 verdoppeln

Auch nur „mit Wasser kochen“…!

10. Mai 2018

In Utrecht wurde eine Straße mit wechselndem Querschnitt – von 7,00m bis 14,00 m als „Fahrradstraße“ umgebaut; die vorhandene Verkehrsorganisation als Einbahn wurde belassen, Rad-Gegenverkehr eingerichtet.

KuckucksstraßeUtrecht.png

Bei einheitlicher 3,50m roter Asphaltfläche (es wird in Holland in solchen Fällen nicht bloß Farbe aufgetragen) wurde die Fahrbahn neu aufgebaut und mit der für Radverkehrsanlagen typischen roten Leitfarbe kenntlich gemacht.
Für die an einzelnen Stellen vorhandenen Längsparker sind sogenannte 0,50m schmale „Rüttelstreifen“ mit kleinteiligen Pflastersteinen angelegt, die verhindern sollen, dass Radlerinnen und Radler zu nahe an Autotüren vorbeifahren.

Im Blog des holländischen Rad-Advokaten Mark Wagenbuur heißt es:
„Der Umgestaltung der „Kuckucks“-Straße wurde im Sommer 2016 abgeschlossen.
Danach hat die Stadt Utrecht untersucht, wie die Straße funktioniert. Es stellte sich heraus, dass eine große Anzahl von Autofahrern zu schnell fuhr. Daher wurden zusätzliche geschwindigkeitsreduzierende Maßnahmen in Erwägung gezogen, aber vorerst wurde beschlossen, etwas mehr Zeit verstreichen zu lassen, damit sich Autofahrer an die verringerte Höchstgeschwindigkeit von 30km/h (früher 50km/h) gewöhnen können.

Die Anwohner mögen das neue Aussehen der Straße im allgemeinen und es hieß in einer Lokalzeitung, dass man nun mit dem seit Jahren diskutierten Straßenumbau zufrieden sei:
„Endlich hat sich etwas geändert! Es gibt immer noch zu viel Autoverkehr, der auch zu laut ist, aber es ist ein Anfang. In naher Zukunft, wenn es wirklich viel weniger Autoverkehr in der Innenstadt gibt, wird diese „Fahrradstraße“ sicherlich eine echte Radroute werden. Ich würde gerne die erwarteten mindestens 3.000 Radfahrer pro Tag in meiner Straße begrüßen. „

Ergänzend schreibt Mark Wagenbuur in seinem Blog (14/2/2017):
„Das Verkehrsaufkommen beträgt jetzt 3.000 Fahrzeuge pro (Arbeits-) Tag. Das würde bedeuten, dass es 6.000 Radfahrer geben müsste, um zu einem 2:1 Verhältnis zu kommen, und das ist nicht der Fall! Es gibt nicht viele Leute, die hier radeln. Dies dehnt die Empfehlungen, (eben doppelt soviel Radfahrer als Autos, Anm. H. D.) in der Hoffnung aus, dass das Autovolumen aufgrund des Straßen-Designs sinken wird, um das Verhältnis in der Zukunft zu erreichen. Im niederländischen Kontext gelten 3.000 Autos pro (Arbeits-) Tag als mittleres Verkehrsaufkommen.“

Quelle:https://bicycledutch.wordpress.com/2017/02/14/koekoekstraat-reconstruction/

Vergleichen…

10. März 2018

Radverkehrszahlen des Jänner 2018 verglichen mit Jänner des Vorjahres anhand der 12 Zählstellen; werktags, mo bis fr.
(Zahlen: www.nast.at)
Geradezu sensationelle Steigerungen für das Wintermonat Jänner 2018 sind zu vermerken…
Aber: Die durchschnittliche Temperatur war höher als im Vorjahr, es gab weniger Niederschlag und nur einen Schneetag; im Vorjahr waren es dagegen sieben.

Argentinierstraße:
Steigerung um 53,5%
(Neuer Spitzenwert)
Donaukanal:
Steigerung um 108,5%
(Spitzenwert war 2014)
Langobardenstraße
Steigerung um 178,4%
(Neuer Spitzenwert)
Lasallestraße
Steigerung um 72,3%
(Neuer Spitzenwert)
Liesingbach
Steigerung um 89,7%
(Spitzenwert war 2014)
Neubaugürtel
Steigerung um 56,8%
(Spitzenwert war 2014)
Opernring Innen
Steigerung um 50,1%
(Spitzenwert war 2014)
Opernring Außen
Steigerung um 54,2%
(Neuer Spitzenwert)
Wienzeile
Steigerung um 55,2%
(Neuer Spitzenwert)
Margaritensteg
Steigerung um 73,4%
(Spitzenwert war 2014)
Operngasse
Steigerung um 49,5%
(Neuer Spitzenwert)
Praterstern
Steigerung um 73,3%
(Neuer Spitzenwert)

An den 12 Stellen ergibt sich damit eine durchschnittliche Steigerung um 72,0%.
An jeweils 7 Stellen wurde der Jänner-Spitzenwert der vergangenen Jahre gebrochen,

Fake News?

25. Februar 2018

Babylonische Sprachverwirrung, die Bedeutung des Begriffs „Radweg“ betreffend, herrscht nicht nur im allgemeinen Sprachgebrauch…
Auch wenn manche meinen, das sei eine „i-Tüpferl-Reiterei“.

Selbst in der „Mobilitätsagentur Wien“, werbemäßig zuständig für den Rad- und Fußverkehr in Wien, wird anscheinend keine Unterscheidung zwischen Radweg, Radstreifen, Geh- und Radweg, bzw. von Radrouten auf der Fahrbahn gemacht!
So kommt es dann zu der leicht kuriosen Behauptung, in Wien gäbe es ein 1.364 km langes „Radwegenetz“!!!

In einem Artikel der vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift „Plus“ unter dem Titel „Ein Fahrrad für alle Fälle“ heißt es:
„Die Stadt Wien steht vor großen Herausforderungen: Das sind Klimawandel, Bevölkerungswachstum und die veränderte Nutzung öffentlicher Räume. Bis zum Jahr 2025 sollen Wienerinnen und Wiener 80 % ihrer Wege zu Fuß, mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen“, so Ivancsits. „Dieses Ziel scheint realistisch: Derzeit umfasst das Wiener Radwegenetz 1.346 km. Mit dem geplanten Ausbau des Radwegenetzes können bald alle Strecken ohne Auto zurückgelegt werden…“
Kathrin Ivanscits, Pressesprecherin der Mobilitätsagentur Wien
Plus, Magazin für Energiezukunft in der Stadt (7/2017)

Bildschirmfoto 2018-02-25 um 19.26.07.png

PS: Ob der Verdacht stimmt, dass da vor lauter auftragsgemäßen „Positiv-Denken“ unbewusst verfälscht wird?
Was würde etwa ein Besucher aus Kopenhagen sagen, wenn sich in dem 1.346 km „Radwegenetz“ bloß weniger als ein Viertel echter Radwege, also baulich getrennt von der Fahrbahn, befinden?

Aber selbst die bestehenden „Radwege“ können einem Schrecken einjagen: Ich erinnere mich an den Besuch einer Bekannten aus Kopenhagen, die, nachdem sie den Zweirichtungs-Radweg in 4., Argentinierstraße in die Stadt gefahren war, meinte, so gefürchtet hätte sie sich noch nie in ihrem Leben – beim Rad fahren!

Alles Paletti?

24. Februar 2018

Judith Wittrich, Mitarbeiterin der kommunalpolitischen Abteilung der AK-Wien betrachtete zwar schon im Sommer das Wiener Radverkehrsgeschehen kritisch; Passt aber ganz gut als ein Jahres-Resumee.

Wittrich kritisiert, dass von den ca. 1.349 km „Radwegen“, die es in Wien angeblich gibt, bloß 126 km wirkliche Radwege sind, also ganze 4,5 % des gesamten Straßennetzes…
(Anm.: Radweg nach StVO ist ein baulich getrennter Teil der Fahrbahn).

Wittrich, in Bezug auf die in Wien dominierenden Rdstreifen/Mehrzweckstreifen weiter: 80% der Autofahrer halten nicht genügend Abstand beim Überholen…
Folge ist, dass RadlerInnen zu weit rechts fahren – im Bereich möglicher aufgehender Autotüren, in der „Türzone“…

Wittrich plädiert eindeutig für baulich getrennte Radwege, die vor allem Familien mit Kindern sowie älteren Leuten Vorteile bringen sollen…
Kritisch werden die Radstreifen/Mehrzweckstreifen betrachtet, die oft nur nach dem Mindestmaß der Richtlinien mit 1,50m markiert werden…

Trotz einer gewissen allgemeinen Mangelsituation steigt die Zahl der an den 12 Stellen gezählten Radfahrerinnen und Radfahrern seit Jahren regelmäßig, interpretiert Wittrich

Der ganze Artikel:
http://blog.arbeit-wirtschaft.at/radwege-in-wien-alles-paletti/

Einrichtungs-Radweg, baulich getrennt von der Fahrbahn:

RadwegBaulich.pngWien 2., Ausstellungsstraße (Foto H. D.)