Archive for the ‘Rad’ Category

Ein Bürgermeister geht…

21. Februar 2018

Seit 1994 heißt der Wiener Bürgermeister Michael Häupl.
Im Vergleich zu  seinem Vorgänger Helmut Zilk war Häupl für mich ein “Rückschritt”.

Bildschirmfoto 2018-01-28 um 08.33.12.png
Foto H.K.Techt

Aus einer früheren offenen Dienstag-Pressekonferenz im Rathaus wurde unter Häupl ein maria-theresianisches Ritual, Eintritt nur mit Presseausweis etc..

Zilks Pressekonferenzen gerieten dagegen oft zu einer kabarettistischen Veranstaltung, entsprechend gut besucht waren sie auch.
Während sich Zilk jede Woche mit dem Radwege-Koordinator traf, vermisste man Ähnliches bei Häupl.

Besonders negativ fiel mir 2013 Häupls unverhohlenes Drohen mit dem Rohrstaberl auf, die Radler aus der FUZO der Mariahilfer Straße auszuschließen, wenn sie sich nicht ordentlich benehmen und im Schritt fahren würden…
Häupl war eben nur für Pressefotos auf dem Fahrrad zu sehen, mit lässig umgehängtem Pullover, wenig glaubwürdig…

Zilk dagegen war oft mit einem ganzen Tross an Begleitern mit dem Rad in der Innenstadt unterwegs, z. B. auf dem von ihm eingeleiteten Ring-Radweg und scheute auch nicht davor zurück, sich mit einem unvorsichtig einbiegenden Autofahrer anzulegen: “Ja sehen sie denn nicht, dass das ein Radweg ist und die Radler Vorrang haben!?”

Da konnte Häupl nicht mithalten, den Zilk anlässlich der Vorstellung Häupls als seinen möglichen Nachfolger “Kaulquappen-Zähler” nannte, in Anspielung auf Häupls Biologie Studium…

In der Wiener Zeitung: „Der letzte Schmäh“
http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/top_news/943281_Der-letzte-Schmaeh.html

Weiters:
Fat Man Blues

https://www.youtube.com/watch?v=F9ZgkkQc3zA

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Radverkehrszahlen im 5-Jahres-Vergleich

21. Februar 2018

Anfang Dezember 2017 kam es in Wien durch eine nicht unproblematische „Kunstaktion“ – ein paar Radlerinnen und Radler umrundeten die Zählstelle am Praterstern („Ringelspiele“ sind ja nahe) ­­– zu einer ungeahnten Steigerung der Radverkehrszahlen…

Jetzt erst, Mitte Feber 2018, wurden die Zahlen für Dezember vom Rathaus freigegeben.
Damit ergibt sich die Möglichkeit eines Vergleichs der Gesamtjahresbilanzen von 2013 mit 2017, also über 5 Jahre…
(Zahlen: http://www.nast.at)

Beobachtungen an den 12 Zählstellen (Jahresdurchschnitt; Fahrten werktags, mo bis fr.):
Argentinierstraße:
2013: 1.601 Rf
2017: 2.238 Rf
Steigerung um 39,8%
Donaukanal:
2013: 1.007 Rf
2017: 1.232 Rf
Steigerung um 22.3%
Langobardenstraße:
2013: 394 Rf
2017: 562 Rf
Steigerung um 42,6%
Lasallestraße:
2013: 2.125 Rf
2017: 2.374 Rf
Steigerung um 11,7%
Liesingbach:
2013: 363 Rf
2017: 430 Rf
Steigerung um 18,5%
Neubaugürtel:
2013: 1.547 Rf
2017: 1.608 Rf
Steigerung um 3,9%
Opernring Innen
2013: 2.762 Rf
2017: 2.980 RF
Steigerung um 7,9%
Opernring Außen:
2013: 1.219 Rf
2017: 1.842 Rf
Steigerung um 51,1%
Wienzeile:
2013:   828 Rf
2017: 1.003 Rf
Steigerung um 21,1%
Margaritensteg:
2013: 1.098 Rf
2017: 1.079 Rf
Abnahme um 1,7%
Operngasse:
2013: 3.712 Rf
2017: 3.919 Rf
Steigerung um 5,6%
Praterstern
2013: 2.774 Rf
2017: 3.052 RF
Steigerung um 10%

An 11 Zählstellen Steigerung im Durchschnitt um 21,4% – von 2013 bis 2017, an einer Stelle einen Rückgang um 1,7%

Reihung nach Prozenten:
Opernring Außen: Steigerung um 51,1%
Langobardenstraße: Steigerung um 42,6%
Argentinierstraße: Steigerung um 39,8%
Donaukanal: Steigerung um 22,3%
Wienzeil: Steigerung um 21,1%
Liesingbach: Steigerung um 18,5%
Lasallestraße: Steigerung um 11,7%
Praterstern: Steigerung um 10,0%
Opernring Innen: Steigerung um 7,9%
Operngasse: Steigerung um 5,6%
Neubaugürtel: Steigerung um 3,9%

Margaritensteg: Abnahme um 1,7%

PS: Interpretationen sind noch offen…

Der Schweizer Brauch

2. Februar 2018

DI Oskar Balsiger, damaliger Radverkehrskoordinator im Kanton Bern, lehrte bereits vor einem Vierteljahrhundert den Leuten von ARGUS (Arbeitsgemeinschaft umweltfreundlicher Stadtverkehr) die Botschaft vom in den Kfz-Verkehr integrierten Radverkehr: Radstreifen bildeten das Rückrat der städtischen Radverkehrstruktur…

Man konzentrierte sich vor allem auf Querschnitte in Straßen ohne Stellplätze ausgehend von der Tatsache, dass in der Schweiz nicht überall auf den Fahrbahnen Autos herumstehen… da genügte das 1,50m Maß neben den Randsteinen!

Aber es gibt halt auch genug Fälle, wo es ohne Parkplätze nicht geht;
dafür gilt dann ein Maß, dass durchaus für österreichische Verhältnisse Vorbild sein könnte:RadstreifenParkerCH.pngQuelle: Grundlagen für die Dimensionierung von sicheren Veloverkehrsanlagen, 2016 (Seite 117)

Die Maße:
Parkspur, daran anschließend ein 0,50m „Schutzstreifen“ an den der eigentliche Radstreifen mit 1,50m anschließt, in Summe also 2,00m.
Es ergibt sich also ein wesentlicher Unterschied zu den meisten Markierungen in Wien, die mit den 1,50m – ohne Schutzstreifen – auskommen müssen!

In aller Deutlichkeit: In der Schweiz werden dem Radverkehr auf der Fahrbahn 2,00m zur Verfügung gestellt, also fast eine Kfz-Fahrspur!

Ähnlich geht man in Holland vor: Ein 2,00m rotes Asphaltband zeichnet nun den zum „Mischverkehr“ zählenden Radstreifen aus – „Altbestände“ mit 1,50m neben Parkern (jawohl, so etwas gibt es in den holländischen Städten noch an etlichen Stellen) werden umgestaltet.
In der Schweiz hält man es für geeigneter, den Radstreifen innerhalb der 2,00m zu markieren, um dadurch sich mittig auf dem Radstreifen orientierenden Radlerinnen und Radler noch besser von der „Türzone“ weg zu bringen.

Nebenbei: In Österreich sind Änderungen in der RadRVS-Richtlinie angesagt, wobei sicher noch um Zentimeter gefeilscht werden wird: Zumindest scheint das Ende des 1,50m „Klammermaßes“ – in Wien zum „Regelmaß“ geworden – bevorzustehen…

Mit dem Auto zum Bio-Einkauf?

15. Januar 2018

Es soll ja schon passieren – worüber sich der deutsche Kabarettist Johann König lustig macht – mit dem SUV einkaufen fahren…

https://youtu.be/j8JfbVLmfVk

In Wien 8., in der noblen Josefstadt (angeblich gibt es hier die meisten SUV-Besitzer) braucht man aber nur die eigenen Füße um Bio einkaufen zu können, da gibt es gleich zwei Möglichkeiten nebeneinander:
Der kleine Markt in der Lange Gasse (zwischen Josefstädter Straße/Hugo Bettauer Platz) jeden Samstag von 9 bis 15 Uhr und den Bio-Supermarkt Denns mit den üblichen Offnungszeiten…

Im Frühjahr wird mit der Ausgestaltung der Lange Gasse zur „Begegnungszone“ begonnen, da wo der Markt ist… um Details wird noch heftig diskutiert, z. B. soll man nicht lieber eine Fläche pflastern anstatt, wie es Politik und Amt wollen, eine „Zonierung“ nach Gehfläche/Fahrfläche/Gehfläche machen, was ja eigentlich der alten Ordnung Gehsteig/Fahrbahn/Gehsteig entspricht, halt nur ohne hohe Randsteine!

Mit einer gemeinsamen Fläche verbunden ist wohl der Uralt-Gedanke von „Shared Space“, nämlich das „Chaos-schaffen“, um damit die Menschen in ihren – aber auch auf ihren – Fahrzeugen zu mehr Vorsicht und Rücksicht zu bringen…

Amtlicherseits kann man aber mit diesem Gedanken wenig anfangen, da muss wohl alles seinen geraden Gang nehmen!?

Bei Mikulov…

15. Januar 2018

In Südmähren, ein paar Kilometer jenseits der österreichischen Grenze, eröffnen sich dem erstaunten Blick, Radstreifen ÜBERLAND, zwischen Mikulov und Ottenthal.

Mikulov.pngFotos: Ing. Květoslav Syrový

Aus einem Brief:
„…habe ich eine gute Nachricht: in der Nähe von Mikulov die ersten vollwertigen Mehrzweck-Fahrspuren, wie sie in der österreichischen Gesetzgebung erscheinen.“
Ing. Květoslav Syrový

PS:
Im angeblich so fahrradfreundlichen NÖ ist das eher selten zu finden…

Genug Autoverkehr!?

15. Januar 2018

Wer meint, in Kopenhagen gäbe es nur Radverkehr, der irrtMan sehe sich die vielen Kfz-Spuren an…Ziemlich viele Radler, weniger Autos, aber viele Spuren!

RechtsabbiegenRad.png
Foto: H. G.  

Eine Besonderheit, die allgemein üblich: Eine überbreite Rechtsabbiegespur, der Radverkehr wird dabei geradeaus geführt! Rechtsabbiegende Autofahrer müssen sich praktisch in die pulkenden Radler hineindrängen…

Auf dem Foto nicht drauf: Der Einrichtungs-Radweg, der vor der Kreuzung in die Rechtsabbiegespur übergeht.
Die Spur links der Rechtsabbiegespur ist eine Busspur, die über der Kreuzung (neben einem Radweg) fortgesetzt ist!!!

Irgendwie sieht das Ganze nach “Verkehrswüste” aus, doch ehrlich, “Straßen sind zum Fahren da…”, wie ein Verkehrsprofessor schon vor Jahren meinte!
Eine Dominanz des Radverkehrs, die Menge des Verkehrsmittel betreffend, zeigt auch die Anzahl der Radfahrer:
Ca. 40 Radfahrer stehen 16 Autos gegenüber;
Wenige Fußgeher, keine geparkten Autos stehen herum, dafür werden Fahrräder an der Hausmauer abgestellt – nicht gerade freundlich für blinde und sehschwache Menschen.

„Gehzeug“, eine Erfindung…

15. Januar 2018

Prof. Knoflachers Mitstreiter ist im diesem Fall der ORF-Journalist Hanno Settele.

Die Zwei erregten wohl Aufsehen, als sie die erste Spur am Ring mit ihren Holzstaberln-Käfigen verlangsamten…

ORFNeulandFilm Kopie.pngAbb: ORF/Neuland

Aber, bitte um Ehrlichkeit: in den meisten Pkw sitzt nur eine Person drinnen, das Auto braucht aber so viel Platz, wie 4 Radler locker einnehmen könnten (wenn sie nur auf der Fahrbahn fahren dürften, aber das verhindern seit Jahren ÖAMTCARBÖ).

Vorerst NEIN, dann JA…

15. Januar 2018

Ohne viel Markierungs-Tam-Tam wurde in der Fahnengasse, einem Abzweiger der zu einer Begegnungszone umgestalteten Herrengasse in Wien Zentrum, „Radfahren gegen die Einbahn“ eingerichtet…

Fahnengasse1.jpg
Foto: Ho

Nachdem es vorher geheißen hat „Wos brauch ma des!“ – ein im angeblich so besonders radfreundlichen Wien oft gehörter Stehsatz von Politik und Amt!

PS:
Na ja zumindest „mitschuld“ an dieser Kleinigkeit bin ich schon, weil ich die dort fehlende Berücksichtigung des Radverkehrs in der „Fachkommission Verkehr“ kritisiert habe und nicht auf große Zustimmung gestoßen bin…
Ein Danke jedenfalls jenen guten magistratischen Geistern, wie Ing. Franz Blaha, dem Radverkehrskoordinator, die das dann doch erwirkt haben.

Rechtsabbiegen bei Rot?

22. Dezember 2017

Der neue (blaue) Verkehrsminister Norbert Hofer will das diskutiert haben… orientiert am Vorbild der USA.

Zahlreiche andere Probleme – vom Auto aus – finden sich auch bei Piet Klocke:

Spaß beiseite: Rechtsabbiegen bei ROT steht seit Jahren auf der Wunschliste der Rad-Engagierten, allerdings eben nur für den Radverkehr gedacht…
Jetzt wird der Autoverkehr gleichsam zum „Geburtshelfer“ dieser Forderung.

Was werden wohl die Fußgeher dazu sagen?

“Begegnet Euch”!

20. Dezember 2017

Seit 2013 gibt es die Möglichkeit der Einrichtung von sogenannten “Begegnungszonen”: Tempo 20km/h für Fahrzeuge, keine 10 cm hohe Gehsteigkanten sondern Nullniveau, Fußgeher dürfen die (ehemalige) Fahrbahn benutzen, “Verstetigung des Verkehrsflusses” ist beabsichtigt…

WeihnachtBezo.png
Abb. Ho

Seit 2016 gibt es zum Thema eine Diplomarbeit:
Es wurden 10 “Bezos” in Österreich untersucht, keine entsprach zur Gänze den Vorgaben, die in den RVS-Richtlinien der Forschungsgesellschaft FSV entwickelt wurden.
Es gibt also “Lernbedarf”…

Hier die Arbeit:
https://slidedocument.com/m-a-s-t-e-r-a-r-b-e-i-begegnungszonen-in-oesterreich-analyse-ausgewaehlter-beispiele-anhand-qualitativer-kriterien-verfasser-florian-hofer-bsc

Ein Spezialproblem in Wien:
Soll man in einer Begegnungszone extra eine „Gehfläche“ von der „Fahrfläche“ unterscheiden oder nicht?
Ursprüngliche Idee ist die gemeinsame Fläche!

Wien 1., Herrengasse

IMG_7328.JPGFoto Rene Bolz