Radwege oder Radstreifen?

Es geht um die alte Frage: Radwege baulich von der Fahrbahn getrennt oder Radstreifen auf der Fahrbahn… Ist ein “Paradigmen-Wechsel” wirklich notwendig, also von den „Radstreifen“ zu „Radwegen“? Oder genügt es, sich einmal auf das einzulassen, was die Richtlinien besagen?

Wenn man sich die Richtlinien für den Radverkehr ansieht, RVS 03.02.12, scheint diese Frage eigentlich eindeutig: Ab einer gewissen Menge von Kfz in einer Straße ist eine Trennung des Radverkehrs vom Autoverkehr notwendig:

MischenTrennen3Pfeile.pngAbb.: Diagramm Mischen – Trennen

Doch: Das etliche Jahre alte Diagramm bietet einen relativ großzügigen Spielraum die Frage des Trennens oder Mischens betreffend (soll aber jetzt überarbeitet werden!?).
Ähnlich wie in Holland wird Mischverkehr im Tempo-30-Bereich bis zu einer Kfz-Menge von ca. 6.000 Autos/24h als verträglich erachtet; aber bei uns beginnt sowohl bei einer höheren Geschwindigkeit als 50km/h mit mehr als 6.000 Autos/24h eine „Grau-Zone“ in der beides möglich ist, Radstreifen als auch Radwege!

Viel kritisiert wird nun, dass, nach diesem „offenen“ Diagramm, in Wien bei 11.000 Autos/24h (roter Pfeil, Projekt 18., Gymnasiumstraße) Mehrzweckstreifen „angedacht“ werden und bei fast 15.000 Autos/24h (blauer Pfeil,  in Wien 16., Wattgasse) umgesetzt worden sind…

Hier müssten eigentlich Radwege baulich getrennt von der Fahrbahn angelegt werden, wohl auf Kosten der auf beiden Seiten der meisten Wiener Straßen abgestellten Autos!
Rad-Aktivisten leben mit der „gefährlichen“ Drohung, dass, wenn diese den Richtlinien nicht entsprechenden Anlagen nicht akzeptiert würden, gar nichts mehr „gebaut“ werden würde!

Schmale Radstreifen als Ersatz für fehlende Radwege:
Zu ergänzen wäre noch, dass bei diesen mit hoher Kfz-Zahl belasteten Straßen die Maße der „Mehrzweckstreifen“ nicht dem „Regelmaß“ der RAD/RVS entsprechen, sondern einfach das schmälere „Klammermaß“ hergenommen wird, d. h. bei Stellplätzen (rechts) 1,50m Radstreifen und nicht 1,75m projektiert werden.

Wie schon gesagt, gilt in Holland im Tempo 30km/h Bereich eine ähnliche Vorgabe wie bei uns, ab einem höheren Tempo als 30km/h gibt es aber ein mehr oder minder absolutes Trenn-Gebot, alles andere wäre „unethisch“. Mischverkehr Rad/Kfz auf der Fahrbahn ist nur im Bereich von Tempo 30km/h und einer Fahrzeugmenge bis 6000 24/h erlaubt.

Selbst bei den seit einigen Jahren in den Vordergrund gekommenen „Fahrradstraßen“ gilt der niedrige Geschwindigkeitsbereich von Tempo 30km/h und die Vorgabe, dass die Zahl 6000 Kfz/24/h nicht überschritten werden sollte…

Wenn es doch einmal – im pragmatisch orientiertem Holland – geschieht, kann die Straßenverwaltung mit hartem Widerstand von Rad-Aktivisten rechnen, die eine Trennung des Radverkehr vom Autoverkehr = selbstständig geführte Radwege, einfordern und eine Mischung in Form von Radstreifen ablehnen.
Siehe: Utrecht in Maliesingel
https://honzosblog.wordpress.com/2016/10/25/jumbo-radstreifen/

Zum Schluss die Aussage eines „Posters“ in der Tageszeitung „Der Standard“ zu den „Wiener Radstreiferln“:
weissseher3
Nur für die Statistik
„Gebaut“ wird meistens nur mit dem Pinsel. Lächerlich und gefährlich.
Quelle: derstandard.at/2000055137007/Kritik-an-geplantem-Ausbau-des-Wiener-Radnetzes

Ein Beispiel – von vielen… in 22., Seestadt, dem hochgelobten neuen Stadtteil.
MINUS: Radstreifen zu schmal, kein Sicherheitsabstand zu parkenden Autos, angrenzender Fahrstreifen ebenso zu schmal (Buslinie!?).

22.MariaTuschStraße 2.jpgFoto: Ho

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