Zwei Welten

1983 in Kopenhagen:

Planer wollten den Radverkehr in die Nebenstraßen verlegen, um ihn von den Hauptverkehrsstraßen wegzubringen… Das funktionierte aber nicht so, wie man es sich vorstellte, Radlerinnen und Radler bewegten sich weiterhin auf den Hauptstraßen…
Rad-Aktivisten überreichten dem damaligen Planungschef, dem späteren Bürgermeister Mikkelsen, als „Fahrradpreis“ einen meterlangen Randstein, der symbolisch einen Radstreifen ersetzen sollte und die Forderung nach baulich getrennten Radwegen auf den Hauptstraßen symbolisierte.

Die Stadt dachte um, und man begann auf den Hauptstraßen Radwege anzulegen…
(Mehr: https://de.wikipedia.org/wiki/Radfahren_in_Kopenhagen)

1984 in Wien:

Es ist die ARGUS, Arbeitsgemeinschaft umweltfreundlicher Radverkehr, die von Anfang an, in Hinsicht auf den kaum vorhandenen Radverkehr – ein Radfahrer kannte den anderen zumindest vom Sehen – die „Schleichwege in Nebenstraßen“ als Konzept ins Gespräch brachte…

SchleichwegeTitelblatt der Nr. 1 des „Drahtesel“ der Vereinszeitung der ARGUS

In der Nr. 2 titelte man bezeichnender Weise „Pro und Contra Radwege“…
Es gab also damals schon gewissen Widerstand zum „baulich von der Fahrbahn getrennten Radweg“ – ganz anders als etwa zeitgleich in Kopenhagen!

Wenig später erschien auch ein „Schleichwegeplan“ mit 8 Routen durch die Stadt, unter Ausklammerung der Hauptverkehrsstraßen:

SWP FalterARGUSARGUS Plan 1984; Falter-Verlag

Aber selbst bei diesem bescheidenen „Rückzugs-Konzept“ gab es ziemlich viel Gegenwind, bzw. bezirkspolitische und behördliche Ignoranz: Ohne Rücksicht auf den Radverkehr wurden die Nebenstraßen zu Einbahnen mit Schrägparken, um die ansteigende Zahl der Autos unterzubringen – um die Garagierung der abgestellten Autos kümmerte sich kaum wer!!!

2016 in Wien:

Während in Kopenhagen über die Jahre ein fast lückenloses Radwegenetz entlang der Hauptstraßen entstand, kämpft man in Wien einen fast aussichtslosen Kampf um jeden cm Fahrbahn und prämiert neuerdings eine Radroute in einer Nebenstraße, die dem überholten (ARGUS)-Konzept aus den 80er Jahren entspricht, mit einer „Goldenen Speiche“ – wie jüngst geschehen mit der Goldschlagstraße!
(Ich habe dafür eher eine rostige Speiche parat…).

Weder der Politik noch den Beamten fällt auf, dass auch in Wien, bei bescheiden ansteigendem Radverkehr, die Hauptstraßen immer wichtiger werden.
Warum, ist eh schon 1000x gesagt worden: Dort sind die Ziele und Quellen und diese Straßen stellen auch meist gerade und direkte Verbindungen dar!
Warum also den Radverkehr in den Nebenstraßen verstecken?

NörrebrogadeKopenhagen: Einrichtungs-Radweg auf Hauptverkehrsstraße mit Tempo 40 km/h

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