RadlerInnen als „Fleischbremse“

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Abb.: Aus „Drahtesel“ Nr. 2/2007 (Tippfehler in dem Ausschnitt wollte ich nicht ändern… „Feischbremse“!?)

Der Begriff „Fleischbremse“ stammt vom ehemaligen Leiter der Projektierung der MA 28/Straßenbau DI Prohaska und charakterisierte treffend die Situation der Menschen, die es wagen, sich auf dem Fahrrad in das vom Autoverkehr bestimmte Verkehrssystem zu wagen, auf Straßen ohne Radwege…
Das war vor drei Jahrzehnten: Die Alternative von DI Prohaska war – der Bau von Radwegen. Vor allem Zweirichtungs-Radwege gehen auf ihn zurück, z. B. 2., Obere Augarten-Straße.
Auf die ARGUS-Kritik, Radwege nur auf einer Seite zu bauen, entgegnete Prohaska einmal: „Na, ja, man kann ja später auf der anderen Seite einen zweiten Radweg anlegen…“

Wie sehr die Meinungen aufeinander prallten – und seither hat sich nicht viel geändert – zeigt der Einsatz der ARGUS für Radstreifen auf der Fahrbahn, der mit der Einführung des Begriffs „Mehrzweckstreifen“ in die StVO seine Grundlage fand…
Manche sagten schon damals: Radstreifen auf der Fahrbahn seien der falsche Weg und man sollte für Radwege, baulich getrennt von der Fahrbahn, eintreten – vor allem auch im Hinblick auf schwächere, unroutinierte Radler, Familien usw..

ARGUS orientierte sich aber am Umstand, dass weder Parkspuren noch Fahrspuren für Radwege zur Verfügung gestellt wurden – durch die stark Auto-orientierte Verkehrspolitik der Stadt Wien und vor allem auch durch das über die Jahre ungelöste Problem der auf öffentlichen Gut abgestellten Autos!

Letztlich tappte man in die Falle der viel zu schmalen Radstreifen auf der Fahrbahn: Die 1,50-m-Radstreifen neben den Stellplätzen, auch „Mehrzwangstreifen“, „Todesstreifen“, „Mickimaus-Radwege“ etc. genannt, wurden zum Regelmaß, von der (Bezirks)-Politik mehr oder minder missbraucht, um den Zuwachs an Radverkehrsanlagen-Kilometern in der jährlichen Statistik zu belegen!

Bis heute hat sich daran nicht viel geändert; vor allem denkt man nicht wirklich daran, die vielen „Alt-Lasten“ zu verbessern, d. h. wenigsten die 1,50 m auf das Regelmaß 1,75 m der Rad-RVS (Richtlinie) zu bringen!
Radwegebau, etwa nach Kopenhagener Vorbild, traut sich niemand zu fordern…

Dafür wurden von „Rad-Lobbyisten“ die so genannten „Sharrows“ – Piktogramme mit Pfeil, ähnlich wie man sie in Wien beim „Radfahren gegen die Einbahn“ kennt – ins Gespräch gebracht… Wohl ein weiterer qualitativer Abstieg nach den 1,50 m „Mehrzwangstreifen“!?
Übrigens: In Los Angeles (aus den USA kommt die Idee der „Sharrows“) werden diese Minimal-Maßnahmen anscheinend auf den „Misthaufen der Planungsgeschichte“ landen:„The Los Angeles department of transportation has recently decided to switch from mainly creating on-street bikeways with just stripes or sharrows to using higher quality design.“
Quelle:
https://bicycledutch.wordpress.com/2016/02/23/goes-cycling-city-of-the-netherlands/

Während sich also in den USA Verkehrsplaner zunehmend an holländischen und dänischen Planungsvorstellungen orientieren, sollen wir uns an ein selbst in den USA im Ausrangieren begriffenen Konzept anschließen?
Seltsam, meine ich…

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Eine Antwort to “RadlerInnen als „Fleischbremse“”

  1. Friedrich Dobretsberger Says:

    Konkret zum angeführten Beispiel aus dem DE 2007:Der Fahrbahnteiler wäre natürlich zu entfernen und durch eine Sperrlinie zu ersetzen, sodass genügend Platz entsteht für einen 1,5 m breiten Mehrzweckstreifen und einen 25 cm breiten Sicherheitsstreifen gegen Dooring. (Achtung! Zu breite, nicht in Fahr- und Sicherheitsstreifen gegliederte Mehrzweckstreifen könnten von 1,80 m breiten PKWs missbraucht werden. Radstreifen sollten aus Übersichtlichkeitsgründen immer deutlich schmäler gehalten werden als Autofahrstreifen.)
    Allgemein muss ich leider feststellen, dass der Kampf der ARGUS (im Gegensatz etwa zum ADFC Bremen!) gegen linke Radwege sehr schwach geworden ist. Ich führe das darauf zurück, dass ARGUS zunehmend von Sonntags- und RennradfahrerInnen dominiert wird (Tweed-Biking!) und die enormen Behinderungen und Gefahren, die „linke“ Radwege den Alltagsradfahrenden bescheren, nicht wahrgenommen werden.

    Friedrich Dobretsberger, Klosterneuburg

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