Alibi-Maßnahme oder DIE Lösung?

Fahrrad-Piktogramme wurden vor kurzem auf der Fahrbahn angebracht. An drei Stellen in Wien…

Im Verlauf von stärker befahrenen Straßen sollen Fahrrad-Piktogramme mit Pfeil Radlerinnen und Radlern jene Fahrlinie kennzeichnen, auf der sie mit entsprechendem Abstand zu möglichen aufgehenden Autotüren fahren sollen.

AbstandAutotür

Bild: ADFC

Die Örtlichkeiten:
6., Gumpendorfer Straße vor Getreidemarkt
9., Alser Straße Bereich Feldgasse/Kochgasse
9., Nußdorfer Straße vor Gürtel

Über die Auswahl der Straßenabschnitte kann man natürlich geteilter Meinung sein – vor allem im Hinblick auf jetzt schon bekannte besonders stressige Straßenabschnitte.
Das Verhalten der Radlerinnen und Radler soll von Zivilingenieur-Seite beobachtet werden.

Diese Art von „Radfahranlage“, sie orientiert sich auch an den seit Jahren in den USA verstärkt eingesetzten „Sharrows“, ist in der Fachwelt höchst umstritten, gilt sie doch als eine Maßnahme, die jene Radlerinnen und Radler, die sich im Autoverkehr ohnehin halbwegs zurecht finden zwar in ihrer Identität bestätigen, jenen aber, die unbedarft und eher ängstlich das Fahrrad nutzen, nichts bringt… Diese wollen nämlich Radwege, baulich von der Fahrbahn getrennt!
Das schlägt sich in der Fachwelt so nieder, dass vor allem in den USA (dem Ursprungsland der „Sharrows“) und auch Kanada eine Neuorientierung zu baulich vom Autoverkehr getrennten Radwegenetzen geschieht, auch orientiert an Städten wie Amsterdam, Kopenhagen etc., wo Radverkehrsanteile über 30% zu finden sind.

In Österreich gab es bereits 2013 eine Untersuchung über die Piktogramme:
Reutte diente als „Versuchskaninchen“, begleitet wurde der Versuch vom Zivilingenieurbüro Köll; in der Zusammenfassung der Arbeit „Pilotprojekt Sharrows Reutte“ heißt es:
„Es zeigte sich allerdings auch, dass Sharrows einen Radweg oder Radstreifen nicht ersetzen können. Vor allem ältere RadfahrerInnen und Kinder bevorzugen auf diesem hochbelasteten Straßenabschnitt nach wie vor den Gehsteig bzw. das Schieben des Rades, da ihnen die Sharrows zu wenig Sicherheit bieten.“
http://www.koell.at/.
Fragt sich nur, welche „Kampf-Radler-Fraktion“ das Verkehrsressort der Stadt Wien dazu bewogen hat, hier einen Versuch zu starten!?

Zur Kern-Problematik:
Wenn man eine wirkliche Förderung des Radverkehr vorhätte, so müsste man auf ein Netz von baulich getrennten Radwegen setzen, wie es Städte wie Amsterdam, Kopenhagen, Groningen etc. vormachen, um so jene Menschen zu gewinnen, die sich nicht trauen im Verkehr mitzufahren, meinen manche „Verkehrs-Fuzzies“, die früher auf das Fahrbahn-Radln setzten!
Der Platz für Radwege stünde zur Verfügung: Dort wo sich die „Perlenkette“ der abgestellten (Privat-)Autos befindet – und das zu thematisieren wäre Aufgabe der (grünen) Politik – könnte man meinen!?
Mickrige Fahrradpiktogramme auf der Fahrbahn werden keinen wesentlichen Einfluss auf die Fahrradnutzung haben, heißt es weiter! So etwas kann wohl nicht der Weg sein, um vom geringen Radverkehrsanteil von 6%, etwa im Vergleich zu Berlin oder München, wo die Radverkehrsanteile über 10% liegen, wegzukommen!?

Steht also eine Renaissance des guten, alten (umstrittenen) Radweges bevor?

Siehe auch:
https://honzosblog.wordpress.com/2013/06/06/so-oder-so/
https://honzosblog.wordpress.com/2014/09/11/dunne-suppe/
https://honzosblog.wordpress.com/2014/05/08/sharrows/
https://honzosblog.wordpress.com/2013/05/28/mehrzwangstreifen-ade/

PS:
Dass es auch ohne „Radwege“ ginge, zeigen zahlreiche Beispiele aus Holland…
Allerdings nur dort, wo nicht alles von Autos zugestellt ist!

RadstreifenOhneAutos

Foto: Stadt Eindhoven

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