Zur aktuellen Helm-Debatte in der BRD

Vor einem Jahr wurde einer Radfahrerin, die ohne Helm gegen eine unvorsichtig geöffnete Autotür fuhr und in Folge des Sturzes schwer verletzt wurde, vom Oberlandesgericht Schleswig eine „Teilschuld“ zugesprochen, weil sie keinen Helm trug.
Der deutsche Bundesgerichtshof hob dieses Urteil auf, d. h. die Radlerin hat nun Anspruch auf volle Entschädigung.
Auch der Einführung einer „Helmpflicht“ beim Radln scheint durch dieses Urteil vorerst ein Riegel vorgeschoben.
Mehr:
http://blog.zeit.de/fahrrad/2014/06/17/bgh-fahrrad-helm-urteil/

Zum Druck auf Radlerinnen und Radler Helme aufzusetzen, meinte voriges Jahr der dänische Rad-Aktivist Colville-Andersen, anlässlich des Velocity-Kongresses in Wien:
„… Es gibt Leute, die ein Interesse daran haben, Radfahren als gefährlich zu verkaufen. Ich nenne es die Kultur der Angst, die sich generell in den vergangenen 50 Jahren stark verbreitet hat. Das hat auch etwas mit der verstärkten Werbung für Fahrradhelme zu tun. Das vermittelt den Menschen das Gefühl, dass es nicht sicher ist, das Rad zu benützen…“
(Interview, von Julia Schilly/Maria Usslar, in derStandard.at, vom 15.6.2013)
http://derstandard.at/plink/1369363646437?_pid=32056263#pid32056263

Auch die ARGUS, Arbeitsgemeinschaft umweltfreundlicher Stadtverkehr, hat in der Vergangenheit sehr viel zur Propagierung des freiwilligen Tragen eines Fahrradhelmes in Österreich beigetragen, intern allerdings nicht unumstritten…
Seit der Einführung einer Helmtragepflicht für jugendliche Radfahrer (bis 12 Jahre) durch Verkehrsministerin Bures, hat sich diese Tendenz etwas abgekühlt, da Sorge entstand, dass die Einführung einer allgemeinen Helmtragepflicht erwogen werden könnte – mit allen negativen Folgen für die Fahrradnutzung.

Exkurs:
Wie viele RadlerInnen tragen eigentlich in Wien einen Helm?
Verkehrsbeobachtung an einem Wochentag im Juli 2013, 17 Uhr, Ecke 8., Josefstädter Straße/Auerspergstraße, 23 Grad, heiter;
Mit Helm fuhren 42 RF, ohne Helm 184 RF, d. h. mehr als ein Viertel trugen einen Helm.
(Leider falsch: Weniger als ein Viertel müsste es heißen, bzw. 18,6 %; Anm. H. D.)
Gesamtzahl der RadlerInnen: 226/Stunde, Radverkehr DTV ca. 2300 RF/24h.

Dazu:
Helmtragequote in:
Amsterdam 1%
Kopenhagen gleich Null; allein die Diskussion um eine mögliche Helmtragepflicht beim Radeln, wird schon als Anschlag auf die „Kopenhagener Radkultur“ gesehen!
Peking: 0%
Münster 3,6%
BRD 11%
(Quelle BAST)

Ein einfacher Schluss:
Wo ein sehr hoher Anteil an Radverkehr herrscht, ist der Radverkehr relativ sicher – und wird auch als solcher empfunden – und die Menschen halten es nicht für notwendig beim Radfahren einen Helm aufzusetzen.

Krak

Cartoon: Peter Friedrich

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2 Antworten to “Zur aktuellen Helm-Debatte in der BRD”

  1. 365_Biker Says:

    Zitat: „Mit Helm fuhren 42 RF, ohne Helm 184 RF, d. h. mehr als ein Viertel trugen einen Helm.“ Ich komme bei diesen Zahlen nur auf rund 18,6 Prozent Helmträgerquote.

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