Eingekeilt…

Es ist immer wieder interessant, wenn man in Archiven kramt.

Am 7. Mai 2011, also vor fast 3 Jahren, schrieb ein Herr Walter H., wohnhaft im 21. Bezirk, einen Brief an den Bezirksvorsteher des 21. Bezirkes Ing. Heinz Lehner… in Kopie an die ARGUS, Arbeitsgemeinschaft umweltfreundlicher Stadtverkehr, einen neuen Radstreifen in der Leopoldauer Straße betreffend:

„Zum Thema Radweg Leopoldauer Straße gibt es – meine ich – einiges zu sagen:
Es ist für jeden nachvollziehbar, dass Fahrradfahrer auf dieser Straße extrem gefährdet sind. Diese Strecke einmal selber mit dem Rad zu bewältigen, ist aufschlussreich – ich werde es ihnen, Herr Lehner, aber nicht empfehlen.
Kurz und nicht gut: Eingekeilt zwischen Linienbus und Schottertransporter, bewegt sich der Radler auf einer schmalen, so genannten Mehrzweckspur (eigentlich „Mehrzweckstreifen“, Anm.), immer am Rande des Verderbens, einem „Radweg“, welcher mehrmals im Nichts endet. Und genau dort wird es dann noch enger und damit noch gefährlicher.
Dass zum Glück in diesem Zusammenhang nicht mehr passiert, liegt wohl daran, dass sich kaum jemand mit dem Rad auf die Leopoldauer Straße wagt, was eigentlich beim täglichen Verkehrsaufkommen sehr schade, aber verständlich ist.“

Mit Floridsdorfer Gruß
Walter H.

Bus_3607

LKW_3606 21., Leopoldauer Straße
Foto ARGUS

Seither sind 3 Jahre vergangen… Der für diese Art von „Todesstreifen“ (wie manche dazu sagen), den Radverkehr in die „Türzone“ der parkenden Autos verbannende, verantwortliche Politiker, Bezirksvorsteher Lehner, ging übrigens heuer in Pension – es sei ihm gegönnt!
Trotz immer lauter werdender Kritik, gibt es nach wie vor weder auf Bezirksebene noch Rathausebene ein ernsthaftes In-Frage-Stellen dieser Art von „Radfahranlagen“, die einen großen Teil der Wiener – oft fälschlich „Radwege“ genannten – Rad-Infrastruktur von 1.100 Kilometer ausmachen!

Die Maße dieser „Radfahranlagen“ sind:
2,00 m Parkstreifen
1,50 m „Mehrzweckstreifen“
2,30 m „Restfahrstreifen“…
Die 3,80 m Fahrbahn wird überall so gebaut, bzw. markiert – wenn keine Parkplätze vorhanden, wird dieses Maß auf 3,50 m reduziert, was vor allem im Bereich von Haltestelleninseln zu unangenehmen Engstellen für die Radlerei führt.
Zur umstrittenen 80 m langen Mittelinsel meinte auf Anfrage der Schweizer Verkehrsingenieur Jean Louis F.: „Ich würde die Insel wegreißen…!“
Zu ergänzen wäre vielleicht noch, dass dort viele Leute auf den Gehsteigen mit dem Rad unterwegs sind, weil sie sich NICHT trauen, auf der Fahrbahn zu fahren!

 

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4 Antworten to “Eingekeilt…”

  1. Pete Says:

    Ein Radschutzstreifen, wie hier zu sehen, ist für einen Radfahrer nicht benutzungspflichtig und muss somit auch nicht genutzt werden. Bereits 1957 urteilte der BGH, dass ein Radfahrer einen seitlichen Abstand zur rechten Fahrbahnkante von 80 cm einhalten muss, um seinen Pflichten nach §1 StVO nachzukommen. Bei parallel parkenden Kfz soll dieser Abstand wegen der Dooring-Zone sogar noch ein wenig größer sein.

    D.h. in Konsequenz, dass Radfahrer in diesem Abschnitt mit dem Reifen links der linken Markierung des Radschutzstreifens fahren sollten!

    Das hat dann wiederum zur Konsequenz, dass den hinterherfahrenden Kfz vermittelt wird, dass diese an der Stelle nicht überholen können Das ist dort sowieso nicht legal möglich, da Überholende einen seitlichen Abstand zum Radfahrer von min. 1,50 Meter einhalten müssen. Konsequenterweise hätte man den Radschutzstreifen dort mittig auf dem Fahrstreifen platzieren müssen, wie es z.B. in Soest gemacht wurde. Das sieht unsere StVO, bzw. deren Anhänge leider nicht vor.

  2. Mario Sedlak Says:

    Ich verstehe die Begeisterung für Mehrzweckstreifen auch nicht. Es stimmt, dass sich viele dort nicht fahren trauen. Daher ist es kein Wunder, wenn es dort weniger Unfälle gibt.

    • kpodl Says:

      Die Begeisterung kommt daher, dass man bei uns (in Wien) zu blöd/faul/ignorant/feig ist, um vernünftige getrennte Radwege zu bauen und es daher wirklich sicherer ist, auf der Fahrbahn zu fahren.
      Erfahrene Radfahrer (dazu zähle ich mich auch) sind eigentlich die einzigen, die das Mischen von Kfz und Radfahrern auf der Fahrbahn befürworten. In Wirklichkeit bringt das wohl kaum eine Steigerung des Radfahreranteils, weil sich unerfahrene Fahrer davon abschrecken lassen. Radfahranlagen müssen sicher sein, aber sich auch sicher anfühlen! Lösungen gäbe es genug, nur werden die Radfahranlagen weiterhin konsequent dazugepfuscht. Siehe z.B http://www.protectedintersection.com/ (Link von D. Culnane aus einem anderen Post).

      Einer der wichtigsten Schritte zur Steigerung des Radverkehrs wären (idealerweise bundesweit) einheitliche und vernünftige Lösungen für (vermehrt vom Kfz-Verkehr getrennte) Radfahranlagen. Es ist erstaunlich auf wieviele „improvisierte“ Speziallösungen man z.B. allein in Wien trifft…

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