„Himmelradfahrtskommando“

Unter diesem Titel erschien als „Kommentar der anderen“ im August 2011 ein Beitrag von Dieter Bandhauer, Geschäftsführer des Sonderzahl-Verlags und Radfahrer seit seiner Jugend.
Seither sind zwei Jahre vergangen… und hat sich was geändert, könnte man fragen!?

„Zweiradmäßig unterwegs zu sein bedeutet einen Slalomlauf zwischen Auto-Sheriffs, Straßenbahnschienen, wütenden Fußgängern und absurden Markierungen.

Die neue rot-grüne Stadtregierung sucht einen Chefradler für Wien, war kürzlich zu lesen. Die Ausschreibung für den Posten eines Fahrradbeauftragten lief bis zum 8. August. Die Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou betonte: „Es wird eine Person gesucht, die Erfahrung im Bereich Öffentlichkeitsarbeit hat und der das Radfahren ein großes Anliegen ist.“
Obwohl mir Öffentlichkeitsarbeit nicht fremd und das Radfahren seit meiner Schulzeit, also seit Jahrzehnten, ein großes Anliegen ist, habe ich mich nicht um diesen Posten beworben. Denn er könnte ein Himmelfahrtskommando werden.

Beginnen wir bei den „Bereichen Bewusstseinsbildung und Werbung fürs Radeln“. Vereinfachend gesagt, gibt es drei Typen von Verkehrsteilnehmern: Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer (alle drei können auch Benützer öffentlicher Verkehrsmittel sein). Von meinen täglichen Erfahrungen als Typ eins und zwei weiß ich, dass in Wien zwischen diesen Gruppen der permanente Ausnahmezustand herrscht.

Leider scheint den Autofahrern aber nicht bewusst zu sein, dass sie im Vergleich zu den anderen Teilnehmern im Gehsteig- und Straßenverkehr bewaffnet sind – und zwar mit einer gefährlichen und effizienten Waffe, nämlich einem Pkw oder, horribile dictu, einem Lkw, die im Bedarfsfall dann auch als Fluchtfahrzeuge dienen können. Eine ständig vorkommende Situation: Ein Radfahrer begeht vorsätzlich eine Verkehrsübertretung, fährt z. B. bei Rot über eine Kreuzung oder gegen eine Einbahn. Der Autofahrer sieht dies und verwandelt sich im Bruchteil einer Sekunde in eine Dreifaltigkeit, bestehend aus Polizist, Richter und Henker. Er betätigt die Lichthupe, die akustische Hupe, steigt aufs Gas … und gefährdet ein Menschenleben.

Wir bewegen uns nicht im Bereich der Fahrlässigkeit, sondern der Vorsätzlichkeit. Der Autofahrer hat nicht die Aufgabe, den Verkehrsregeln verletzenden Radfahrer zu maßregeln, zu erziehen und zu bestrafen, sondern hat von seinem Ich-bin-im-Recht-Standpunkt Abstand zu nehmen und ausschließlich die Pflicht, den Radfahrer nicht zu gefährden, also schlicht und einfach die Geschwindigkeit zu reduzieren. Er kann die Polizei rufen, hat aber jedenfalls nicht Lynchjustiz zu üben.

In Amsterdam – zugegebenermaßen ein Radfahrerparadies, wo statistisch auf jeden Bewohner drei Fahrräder kommen – sind Autofahrer immer wieder auch als Radfahrer unterwegs und können sich offensichtlich besser in die Situation schwächerer Verkehrsteilnehmer versetzen. Ein vergleichbarer Mentalitätswandel wird im Autofahrerparadies Wien noch lange auf sich warten lassen.

Besteht im psychologischen Bereich wenig Grund zur Hoffnung, könnte im Ausbau der Infrastruktur eine Chance bestehen, wenn nicht der Ausbau der Radwege meist auf Kosten der Fußgänger ginge. Da diese nicht wie die Autofahrer über eine Lobby verfügen, werden die Gehsteige schmäler und nicht die Abstellplätze für Stehmobile in Fahrradwege verwandelt. Wie aber sonst sollte das erklärte Wiener Ziel – nämlich den Radverkehr in Wien bis 2015 zu verdoppeln – zu erreichen sein?
Hier könnte der Job des Fahrradbeauftragten vom Himmelfahrtskommando zur Sisyphusarbeit werden…“

Der gesamte Artikel:
http://derstandard.at/1313024146224/Wiener-Verkehrspolitik-Himmelradfahrtskommando?seite=3#forumstart

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Bandhauer sieht auch die Möglichkeit das „ENDE“, zu dessen Anbringung sich, nach StVO, die MA 46, Verkehrsbehörde, gezwungen sieht, durch das Wienerische „Schleichts euch“ zu ersetzen…

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