Verkehrsordnung… ganz neu!

(Nach den Vorstellungen von Karl Valentin)

„Meine Herren Stadträte, wenn ich mir heute selbst erlaube, vor Sie hinzutreten, dann tue ich das nicht nur, um zu treten, sondern um Ihnen einmal reinen Wein einzuschenken. Ich bitte, diesen Satz nicht sprichwörtlich zu nehmen, denn ich bin kein Weinwirt, sondern ein wann-wird denn endlich einmal eine richtige Verkehrsregelung getroffen.

Wie soll das in Zukunft werden? So kann es unmöglich weiter gehen. Schutzleute tun ihre Pflicht. Die Schutzleute dirigieren, die Bevölkerung folgt ihnen nicht. Grinsen, spotten, trotzen den Verkehrsordnungen der Großstadt. Die Verkehrspolizei will das Beste, aber die Großstädter bleiben meist Dörfler. Macht es der Schutzmann so, gehen sie so. Macht es der Schutzmann aber so, gehen sie anders. Die Autos durchsausen die Straßen, die Radfahrer fahren wie sie wollen, die Fußgänger gehen mitten auf der Straße spazieren, kommen zwischen die Wägen, die Sanitätskolonnen haben Hochbetrieb, die Krankenhäuser können die Verwundeten wegen Platzmangel nicht mehr aufnehmen …

Dies alles kann nur anders werden durch meinen Vorschlag, der alle diese Missstände auf einmal aus der Welt schafft. Mein Vorschlag ist folgender, und jeder Irrsinnige wird mir recht geben. Der Verkehr soll folgendermaßen eingeteilt werden. Und zwar täglich von 7 bis 8 Uhr Personenautos, 8 bis 9 Uhr Geschäftsautos, 9 bis 10 Uhr Straßenbahnen, 10 bis 11 Uhr Omnibusse, 11 bis 12 Uhr die Feuerwehr, 12 bis 1 Uhr die Radfahrer, 1 bis 2 Uhr die Fußgänger.

Sollte diese stundenweise Einteilung nicht möglich sein, wäre eine andere Lösung möglich, und zwar Tagesverkehr: Der Montag ist nur für die Personenautos, der Dienstag nur für die Geschäftsautos, der Mittwoch Straßenbahn, der Donnerstag für die Omnibusse, der Freitag für die Feuerwehr, der Samstag für die Radfahrer. Die Sonn-und Feiertage nur für die Fußgänger. Auf diese Weise würde nie mehr ein Mensch überfahren werden.

Oder eine weitere Lösung: Im Januar nur mehr Personenautos, im Februar Geschäftsautos, im März die Straßenbahnen, im April Omnibusse, im Mai die Feuerwehr, im Juni die Radfahrer, im Juli Fußgänger und so weiter und so weiter.

Oder 1939 nur Personenautos, 1940 Geschäftsautos, 1941 Straßenbahnen, 1942 die Omnibusse, 1943 die Feuerwehr, 1944 die Radfahrer, 1945 Fußgänger und so weiter.

Oder: Im 20. Jahrhundert nur Personenautos, im 21. Jahrhundert nur Geschäftsautos, im 22. Jahrhundert nur…“ (Protest und Tumult im Saal)

Quelle:
http://gruppen.niuz.biz/karl-t593502.html?s=cd3ba3dd057f6c51c47903024c64840c&amp

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