Eine Holländerin ärgert sich…

Alexandra Kleijn, lebt in Hannover, ist Übersetzerin und schreibt hier auch einen Blog… die Einträge liegen zwar schon zwei Jahre zurück, sind aber noch immer aktuell – und lassen sich 1:1 auf Österreich übertragen.
http://www.buurtaal.de/blog/fahrrad-fahren-aergernisse-deutschland

Radfahrer (vogel-) frei?
Zwischen Autos und Fußgängern haben Fahrradfahrer in Deutschland einen schweren Stand. In diesem Beitrag nenne ich einige Ärgernisse, mit denen Pedalritter, wie ich, im Alltag konfrontiert werden.

>> Verkehrsplanung – Radfahrer stehen hinten an
Gerade in der Stadt kommt man mit dem Fahrrad oft schneller und bequemer ans Ziel als mit motorisierten Verkehrsmitteln: keine Staus, keine lästige Parkplatzsuche oder teuren Parktickets, keine überfüllten und schmutzigen Straßenbahnen. Außerdem hält das Strampeln fit und gesund.

>> Hindernisse
Leider lauern für Fahrradfahrer auch einige Hindernisse. Zum Beispiel ist die Schaltungslogik von Ampeln eindeutig auf das schleunige Vorankommen von Autos ausgerichtet. Ich weiß nicht, wer sich in deutschen Verkehrsplanungsämtern die Ampelschaltungen ausdenkt, aber Radfahrer sind es nicht. Und nicht nur bei den Ampeln werden Fahrradfreunde stiefmütterlich behandelt.

>> Fahrbahnverbot – getrennte Wege
Anders als in den Niederlanden – wo es ganz normal ist, dass sich Autofahrer und Radler in der Stadt die Fahrbahn teilen – werden letztere in Deutschland oft von der Straße verbannt. Angeblich geschieht dies aus Sicherheitsgründen. Tatsächlich geht aber aus vielen Studien hervor, dass getrennte Radwege keinesfalls sicherer sind. Und meine eigene Erfahrung bestätigt das: Es wird dadurch für Autofahrer noch einfacher, Zweiräder zu übersehen. Vor allem beim rechts Abbiegen haben viele Autofahrer einen blinden Fleck.

>> Fußgänger
Was mich nach meinem Umzug nach Deutschland vollkommen irritierte, ist der deutsche Brauch, Fahrradwege nicht baulich von Fußwegen zu trennen. Die ganze Fläche sieht oft wie ein großer Bürgersteig aus. Manchmal trennt ein roter Streifen beide Bereiche, aber das ist eher die Ausnahme. Der entscheidende Nachteil dieser Konstruktion: Fußgänger neigen dazu, beide Streifen für sich in Anspruch zu nehmen. So sind Kollisionen vorprogrammiert.

>> Radwegzwang
Laut Straßenverkehrsordnung gilt in Deutschland keine generelle Radwegbenutzungspflicht. Grundsätzlich darf man also auf der Straße fahren. Allerdings begegnen einem überall drei blaue Schilder, die die Verwendung des Radwegs oder Fahrradstreifens häufig doch zur Pflichtübung machen.

fahrradschilder Kopie

Das erste Schild kennt man in den Niederlanden auch, die beiden anderen nicht. Radwege, die mit dem zweiten Schild gekennzeichnet sind, sind wegen unaufmerksamer Fußgänger (mitsamt kleinen Kindern oder freilaufenden Hunden) in der Praxis für alle Beteiligten problematisch – wie oben bereits erwähnt. Hinter dem dritten Schild steckt an sich ein Fuß- und kein Radweg, sodass Radfahrer nicht im eigenen Tempo und ungehindert fahren können.

>> Hindernisparcours
Oft werden Radwege von Autobesitzern kurzerhand als Parkplatz benutzt oder es wächst plötzlich ein Baum darauf. Auch werden gerne mal mobile Verkehrsschilder oder Mülltonnen darauf abgestellt. Überall ist mit Hürden zu rechnen.

>> „Kinderköpfchen“ = Katzenkopfpflaster
Und dort, wo man auf der Straße fahren darf, ist die Qualität des Belags manchmal so schlecht, dass Fahrradfahrer notgedrungen – aber verbotenerweise – auf den Fußweg ausweichen. Vor allem auf dem in Innenstädten beliebten Kopfsteinpflaster wird man ordentlich durchgeschüttelt.
Ein Polizist, der mich in einer solchen Situation mal auf dem Bürgersteig erwischte, erklärte den sturen Beibehalt der kinderhoofdjes mit der “Wahrung der historischen Kulisse”. Solange aber solche “historischen” Straßen mit hochmodernem Blech zugeparkt werden dürfen, finde ich das Argument reichlich schwach.

>> Sattelfest
Trotz solcher Hindernisse lasse ich mir die Nutzung meines favorisierten Verkehrsmittels nicht verleiden. Als Niederländerin bin ich nun mal im Sattel geboren.

Einige Bemerkungen dazu:
KleijnKommentare

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